Fotografieren mit einem Handy aus 2006

Fotografieren mit einem Handy aus 2006

Heutzutage bieten moderne Kameras vielfältige Reserven und Automatikprogramme, mit denen jeder Laie mit etwas Motivation und guter Bearbeitung sehenswerte Bilder zaubern kann. Aber wie sieht es am unteren Ende der Fahnenstange aus? Wir finden es heraus. 

Schmale Displayränder waren 2006 noch kein Thema. 

Schmale Displayränder waren 2006 noch kein Thema. 

Es gab eine Zeit vor den Smartphones. Handys hatten Tasten, die Vielfalt der Formfaktoren und Designs war größer, die Displays umso kleiner. Aus dieser Zeit stammt auch das Nokia 7373, einer der ungewöhnlichsten Vertreter seiner Art. Swivel-Design, bunte Farben (powder pink), vielfältige Materialien (Plastik, Aluminium, Kunstleder, Stoff). Zu seinem Release 2006 fand es gerade bei der weiblichen Käuferschicht viel Anklang. So auch bei meiner Mutter. 

Stand der Technik: 2006

Das Nokia 7373 kann vieles, aber nichts wirklich gut. Die Kamera hat 2 Megapixel, Fixfokus, ein Spiegel für Selfies und eine Videoauflösung von 176x144 Pixeln, bei 10 Frames pro Sekunde. Specs, die dem ambitionierten Fotografen oder gar Filmer einen kalten Schauer über den Nacken jagen. Der interne Speicher beläuft sich auf satte 8 Megabyte. Zum Vergleich, ein RAW meiner Sony Alpha R III belegt das zehnfache davon. Dafür bietet das Nokia 7373 Snake und einen charmanten Jingle beim aufdrehen.

 

Haltbarkeit? Wie ein echtes Nokia 

Während seiner Zeit musste das Nokia 7373 meiner Mutter einiges einstecken. Nach seiner Ablösung durch ein Smartphone bekam es ein neues Gehäuse von mir, und ist seitdem sicher im Schubfach verwahrt worden. Neun Jahre später habe ich es aus seinem Dornröschenschlaf erweckt, um seine Fotoqualitäten auf den aktuellen Prüfstand zu stellen.

Bis auf zwei dünne Streifen auf dem Display und einen, sagen wir mal, spontaneren Akku, funktioniert es wie am ersten Tag.

Lack, Kunstleder, Perlenkette, Spiegel. Alles, was eine Diva begehrt. 

Lack, Kunstleder, Perlenkette, Spiegel. Alles, was eine Diva begehrt. 

Also nahm’ ich es in einer sonnigen Mittagspause auf eine Fototour durch Berlin Mitte... 
Maximilian_Otto_Nokia_7373_Challenge_03.jpg

Das Display des Nokia 7373 ist klein und in der Sonne schwer abzulesen, der Auslöser knackig und schwer zu drücken. Während es die Bilder in den Speicher brennt, kann man dem Berliner Flughafen beim Wachsen zusehen. Daher überlegt man sich genau, wie das Motiv aussehen soll.

Die Analogfotografie lässt grüßen. 

 

Kamera: wenig Qualität, viel Charakter

Ich habe wenig von der Qualität erwartet. Und wurde doch überrascht. Einerseits liegt der Weißabgleich total daneben, sodass er entweder einen Rot- oder Grünstich provoziert. Anderseits tritt Rauschen bereits in geringen Schatten auf. Im Gegensatz dazu brennen Lichter aus. Die Schärfe der Bilder liegt auf dem Niveau einer Alpenmilch. 

Trotzdem haben die Bilder ihren Charme. Mit gezielter Bearbeitung (entfernen der störenden Rot- und Grüntöne, etwas mehr Kontrast, neutralerer Weißabgleich) sieht es schon anders aus. Die Körnung geht beim Nokia 7373 aufs Haus.

Links der Edit, rechts das Original 

Hier eine weitere Auswahl der Schnappschüsse: 

Detailverliebter Nerd mit Faible für Fotografie, Technik und Autos.