DJI Osmo Pocket: Gag oder genial?

Ultrakompakt, handlich, gimbal-stabilisiert und mit 4k 60fps. Was sich wie ein Wunschzettel liest, hat DJI mit dem DJI Osmo Pocket zu einem realistischen Preis realisieren können. Doch was taugt die Osmo und für wen eignet sie sich?

Bestellt, geliefert, ausgepackt. Zum Preis von 359 Euro bekommt ihr die DJI Osmo Pocket in einer platzsparenden Verpackung, im Lieferumfang befinden sich nebst der Osmo ein Netzkabel, ein USB-C bzw. Lightning-Connector für Smartphone und Tablet, eine Transporthülle sowie eine Handschlaufe. DJI bietet zusätzlich ein Zubehörset an, das ein Funkmodul zur Steuerung mit dem Smartphone, ein Bedienrädchen, eine Zubehörbefestigung und eine 32 GB microSD Karte beinhaltet.

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USB-C sowie Lightning-Adapter

USB-C sowie Lightning-Adapter

Die DJI Osmo Pocket wird ihrem Namen gerecht. Dank des kompakten Formfaktors Marke Schokoriegel liegt sie perfekt in der Hand und passt in die Hosentasche. Das Gewicht von 116 g ist nicht der Rede wert. Nach kurzer Eingewöhnung lässt sich der winzige Touchscreen anhand von Gesten zielsicher bedienen, auch bei starker Sonneneinstrahlung ist er gut ablesbar. Die wenigen Knöpfe lassen sich blind erfühlen und besitzen einen fest definierten Druckpunkt. Zwischen Bildschirm und den Buttons kann ein Lightning/USB-C-Connector eingeschoben werden. Wenn er nicht benutzt wird, lässt er sich umgedreht befestigen und stört nicht bei der Bedienung.

 

Wer braucht sowas?

Als DJI die kleine Handheld-Kamera vorstellte, war ich beeindruckt und zugleich neugierig, was man von einem Gadget dieser Größe qualitativ erwarten kann. Weiterhin waren mir meine konkreten Anwendungsfelder für die DJI Osmo Pocket noch nicht klar. Ich bin weder Skifahrer noch Surfer geschweige denn Downhillbiker, gehöre also nicht zur klassischen Zielgruppe einer Action Cam. Zwar spiele ich gerade mit dem Gedanken, einen Youtube-Kanal zu starten, allerdings würde ich dafür eher mit der Systemkamera filmen.

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Trotzdem kristallisierte sich aufgrund der Qualität und des Workflow ein Anwendungsbereich heraus, der bis dato nicht vakant war: Instagram Stories.

Wir kennen sie, wir lieben sie, und doch scheidet ihr Hochformat weiterhin die Geister. Für die Mehrheit der Produktionen/Formate greifen wir weiterhin auf das Querformat zurück, jedoch wird der Wunsch nach Content für die Instagram Story immer prominenter. Ein Zuschnitt auf das extreme Hochformat gelingt selten zufriedenstellend, daher ist der Dreh von Vertical Video meist unumgänglich.

Wenig Aufwand, viel Wow

Während ich bisher mit der Kamera oder seltener mit dem iPhone Bilder bzw. Videos extra für die Stories gemacht habe, greife ich nun auf die DJI Osmo Pocket zurück. Aufnahmen gelingen beim ersten Versuch, das Material ist durch den Gimbal zuverlässig stabilisiert und auch bei wenig Licht ansehnlich. Je nach Gimbal-Modus lassen sich ungewollte stürzende Linien verhindern, da die Kamera immer gerade ausgerichtet ist. Dazu können die Aufnahmen direkt über den Lightning bzw. USB-C-Anschluss auf das Smartphone oder Tablet geladen, bearbeitet und gepostet werden.

Durch das eingestellte Farbprofil sind Farben sowie Kontraste bereits ansprechend, mit VSCO X lege ich nur noch meinen Look auf die Videos. Pro Story à 10-15 Sekunden sind das 1-2 Minuten Aufwand. Verwende ich Bilder aus der Kamera für Stories, brauche ich mit 5-7min je Storypost, da Transfer sowie Selektion/Bearbeitung deutlich mehr Zeit beanspruchen. Bei 5-10 Stories am Tag spare ich eine gute halbe bis Dreiviertelstunde.

Das durchgehend positive Feedback bestätigt, dass die Stories aus der DJI Osmo Pocket ausgesprochen gut ankommen und sich von der Footage aus Kamera/iPhone abheben.

 

Aufnahme mit der DJI Osmo Pocket bei f/2.0 | 1/50s | ISO 100

Bildqualität

Die DJI Osmo setzt zugunsten ihrer Größe auf einen 1/2.3”-Sensor, der Bilder mit 12 Megapixeln (3.000x4.000 Pixel) und Videos in 4k bei 60fps aufnehmen kann. Die Brennweite des verbauten Objektivs beträgt umgerechnet auf Vollformat 24 Millimeter, ist also weiter als die 28 mm eines iPhone.

Im “Pro”-Modus liefert die DJI Osmo Pocket farbgetreue und dynamische Aufnahmen, die Reserven zur Nachbearbeitung in Tiefen und Lichtern bieten. Hauttöne werden neutral wiedergegeben, selbst in 1080p erscheinen Videos scharf. Auf den ersten Eindruck würde ich die Bildqualität zwischen einem iPhone XS und einer guten Kompaktkamera vom Schlage Sony RX 100 VA einschätzen. In Anbetracht ihrer kompakten Abmessungen eine beeindruckende Leistung. Herkömmlichen Actionkameras (die DJI Osmo Action exklusive) ist die DJI Osmo Pocket in punkto Bildqualität weit überlegen.

Noch mehr Rohmaterial findet ihr in der YouTube-Playlist.

 

Gimbal

Das charakteristische Alleinstellungsmerkmal der DJI Osmo Pocket ist natürlich ihr Gimbal. Die motorisierte Aufhängung der Kamera ist zwar klein, aber wirkungsvoll und reaktionsschnell. Neben der Stabilisierung besteht die Aufgabe des Gimbal darin, gleichmäßigere Kameraschwenks zu ermöglichen und Gesichter und andere Objekte zu verfolgen.

Natürlich lassen sich auch bei der DJI Osmo Pocket je nach Einsatzzweck mehrere Modi des Gimbal wählen. Es gibt einen FPV-Mode, einen Tilt-Locked-Mode und einen Follow-Mode:

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  • Im FPV-Mode stabilisiert der Gimbal, lässt aber horizontale und vertikale Neigung zu und zieht die Kamera flüssig mit. Er bietet sich an, wenn die DJI Osmo Pocket als Actioncam verwendet wird.

  • Der Tilt-Locked-Mode sperrt die Kamera in der Tilt- und Rollachse. Damit bleibt das Bild immer gerade ausgerichtet, was sich bei der Verfolgung von laufenden/rennenden Objekten empfiehlt.

  • Wie sein Name bereits vermuten lässt, dient der Follow-Mode der Objektverfolgung. Auf dem Touchscreen oder in der Mimo-App können Gesichter und weitere Objekte auswählen, die der Gimbal relativ zuverlässig im Frame behält. Unter anderem können Vlogger damit sicherstellen, dass ihr Gesicht zentriert bleibt. Leider funktioniert dies momentan noch nicht bei 4k und 60fps.

Die Stabilisierung funktioniert im Rahmen des technisch machbaren hervorragend, nach kurzer Eingewöhnung gelingen smoothe Bewegungen und Schwenks. Laufbewegungen kann die DJI Osmo Pocket wie alle anderen Gimbals nicht komplett ausgleichen, stabilisiert die Footage aber trotzdem enorm.

 

DJI Mimo: App-etit auf mehr

Damit die Bilder und Videos von der microSD-Karte bzw. Osmo Pocket auf das Smartphone oder Tablet gelangen, benötigt ihr die DJI Mimo App. Das Tool kann jedoch weit mehr, unter anderem könnt ihr die DJI Osmo Pocket und Osmo Action darüber updaten und steuern. Dabei erscheint das Kamerabild mitsamt der Bedienelemente auf eurem Smartphone. Die Übertragung funktioniert sehr flüssig, das Smartphone kann im Hoch- und Querformat verwendet werden.

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Der Video-Editor von DJI Mimo kann sich sehen lassen und bietet mehr Features als einige kostenpflichtige Apps. Videos lassen sich nicht nur schneiden, sondern auch in ihrer Geschwindigkeit anpassen und umkehren. Dazu können Farben/Kontraste bearbeitet und Filter übernommen werden. Obendrauf gibt es Titel/Sticker sowie Musik. Alles in einer schnellen und logischen Benutzeroberfläche. Alternativ bietet DJI Vorlagen mit Übergängen, Musik und Titeln, in die lediglich Videos importiert werden müssen.

Ein weiteres Schmankerl ist der Story Mode. Die DJI Mimo App gibt euch Anweisungen, wie ihr Szenen filmen könnt und schneidet sie selbstständig nacheinander zusammen. Mithilfe der selbsttätigen Bewegung des Gimbals lassen ohne großen Aufwand sich coole Effekte realisieren.

 

Fazit: Erwartungsgemäß gut, überraschend nützlich

Ich habe eine Schwäche für Gadgets, probiere gern neues aus. Jedoch weiß ich auch, dass DJI selten halbfertige Produkte auf den Markt bringt, sondern stets ausgereifte Technik liefert, die sich professionell verwenden lässt. Dass die DJI Osmo Pocket mit guter Bildqualität, Handhabung und App glänzt, verwundert mich daher nicht. Updates haben den Ton sowie Fokus seit dem Release Ende 2018 stetig verbessert, die Akkulaufzeit geht auch in Ordnung.

Trotzdem hätte ich nicht erwartet, dass sich die kleine Handheld-Kamera als nützlicher Begleiter für Instagram Stories und behind the scenes Material entpuppt. Dank ihrer zuverlässigen Leistung gelingen Aufnahmen beim ersten Versuch, der Transfer auf das iPhone ist schnell und die Footage lässt sich einfach in den mobilen Apps bearbeiten. Für mich ist die DJI Osmo Pocket samt DJI Mimo die Story-Kamera überhaupt.

Detailverliebter Nerd mit Faible für Fotografie, Technik und Autos.