#dronediary: Meine erste Drohne

Die Footage der kleinen und großen Fluggeräte mit Kamera ist allgegenwärtig, der Anschaffung einer Drohne zu widerstehen wird zunehmend schwer. Nach langen Überlegungen wagte ich den Schritt zu neuen Perspektiven und Erfahrungen. Ein wachsendes Tagebuch über meinen Einstieg in die Welt der Drohnen. 

Auf Instagram, in Werbespots und inzwischen auch Spielfilmen kommen wir in ihren Genuss: die Bilder und Videos aus der Luft. Während bei Standbildern allein die Draufsicht fasziniert, sind es bei Bewegtbild zusätzlich die geschmeidigen Kamerafahrten und Zeitrafferaufnahmen, die eine Kameradrohne als solche glänzen lassen. 

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Welche Drohne kaufen?

Der Markt ist riesig, das Angebot dürfte jeden Geldbeutel und Anspruch bedienen. In meinem Freundeskreis sind zwei Modelle jedoch besonders populär: die DJI Mavic Pro (2) sowie die DJI Phantom 4 Pro. Die beiden Quadcopter unterscheiden sich grundlegend in ihrer Größe, während die Phantom-Serie deutlich ausladender ist und eine etwas bessere Kamera besitzt, ist die Mavic-Serie seit jeher für ihre kompakten und reisefreundlichen Abmessungen bekannt. 

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Meine Entscheidung fällte ich zugunsten der neuen DJI Mavic 2 Pro, die sich von ihrer Vorgängerin DJI Mavic Pro durch ihre stark verbesserte, in Kooperation mit Hasselblad entwickelte Kamera unterscheidet. On top hat DJI 10-bit D-Log/HDR-Video, eine omnidirektionale Hinderniserkennung, eine verbesserte Flugzeit und weitere smarte Features ergänzt. Active-Track 2.0 arbeitetnoch genauer, besitzt eine Flugbahnvorhersage und arbeitet in Kombination mit der Hinderniserkennung. Dank geänderter Propeller und Drehzahlregler fliegt die DJI Mavic 2 Pro geräuschärmer

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Da es wenig Möglichkeiten gab, den Quadcopter testzufliegen, bestellte ich quasi blind. Inklusive DJI Care Refresh (139€ für die Mavic 2 Pro), das Reparatur/Ersatz bei Kollisions- oder bspw. Wasserschäden bietet. Außerdem legte ich mir das Fly-More-Paket mit zwei zusätzlichen Akkus, einer Tasche und weiteren Accessoires (Autoladegerät, Powerbank-Adapter, Ersatzpropeller) zu. Die Umhängetasche bietet Platz für Drohne, Fernbedienung, Akkus und das Zubehör. 

Nach der obligatorischen Haftpflichtversicherung und Drohnenplakette (in Deutschland Pflicht) konnte es losgehen. Das dachte ich zumindest. Meine Recherche zu den Flugräumen uferte gezwungenermaßen aus, Grund und Ergebnis ein paar Absätze später.

 

DJI Mavic Pro:
für Einsteiger geeignet?

Nachdem ein Startplatz auf einem Feldweg auf dem Land gefunden war, konnte der Jungfernflug endlich beginnen. Auspacken, aufklappen, Gimbal-Schutz abnehmen und das Smartphone in die Fernbedienung stecken. So so, scheint alles recht robust, auch Grobmotoriker können hier nichts abbrechen.

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Die DJI-Go-App hieß mich willkommen und empfahl mir den Anfängermodus. Mit einer Wischgeste hob die DJI Mavic 2 Pro ab, um wie zuvor angekündigt auf 1,2 Metern Höhe in der Schwebe zu bleiben. Ich war sehr aufgeregt, allerdings erweckte die App schnell Vertrauen, da sie jeden Schritt erklärt und den Einsteiger nicht überfordert. Im Anfängermodus liegt die DJI Mavic 2 Pro an der kurzen Leine, sie entfernt sich nicht weiter als 30 Meter vom Piloten. Die beiden Joysticks sind in diesem Modus weniger empfindlich und die Fluggeschwindigkeit ist begrenzt. So gezähmt, bekommt man schnell ein Gefühl für die Steuerung und kann sich mit den weiteren Funktionen der App bzw. Funktionen und Anzeigen der Fernbedienung vertraut machen. Böse Überraschungen gibt es hier nicht zu befürchten.

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Nach einer guten halben Stunde bzw. dem ersten Akku schaltete ich den Anfängermodus ab, schob den Flugmodusregler auf “P” wie Positioning und testete die einzelnen Funktionen der Remote aus. Nach einigen Stunden Eingewöhnung beherrscht man die zahlreichen Bedienelemente komplett. Während ich den Sport-ModeS” erst später probierte, war ich neugierig, was der Tripod-ModeT” bietet. Der Name verrät bereits, dass die Drohne stabiler in der Luft steht (1s Belichtungszeit stellt bei Windstille kein Problem dar) und Kamerafahrten durch eine softere “Gasannahme” smoother ablaufen. Das gilt ebenso für “Bremsungen” in der Luft.
Das genaue Gegenteil davon ist der Sport-Mode, bei dem die Drohne extrem sensibel und spontan auf Befehle reagiert, einen Topspeed von 72 Stundenkilometern fliegt (in P sind es rund 50km/h) und dabei alle Helferlein wie Hinderniserkennung verzichtet. Wer diesen Modus zum ersten Mal ausprobiert, sucht sich am besten eine weite Fläche ohne Hindernisse, um sich mit dem veränderten Verhalten des Kopters vertraut zu machen.

Die DJI Mavic 2 Pro mag preislich nicht im Einsteigerbereich angesiedelt sein. Trotzdem fliegt sie auf Wunsch einfach und leicht zu beherrschen. Wer vernünftig fliegt, wird lange Freude an ihr haben. Die elektronischen Helferlein im Positioning- und Tripod-Mode schaffen Vertrauen. Sollte der Fall eintreten, dass der Quadcopter die Verbindung zur Fernbedienung verliert, kehrt er mithilfe der GPS-Positionierung selbstständig zum Startpunkt zurück. Das gleiche gilt bei einem niedrigen Akkuladezustand.

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Was taugt die Hasselblad-Kamera?

Durch ein paar Freunde durfte ich mich an den Rohdaten aus der Vorgängerin, der DJI Mavic Pro austoben. Die Bildqualität war für eine Drohne ihrer Größe anständig, zur Verwendung auf Social Media komplett ausreichend und in etwa auf Höhe einer sehr guten Smartphone-Kamera.

Trotzdem hoffte ich, dass die in Kooperation mit Hasselblad entwickelte Kamera der DJI Mavic 2 Pro mehr bietet. Kurz zu den Eckdaten: Der verbaute Sensor vom Typ Hasselblad L1D-20c besitzt eine Auflösung von 20 Megapixeln, das Objektiv eine Festbrennweite von umgerechnet 28mm (35mm-äquivalent) mit einer variablen Blende (F2.8-F11). Neben den obligatorischen JPEGs können Bilder auch als Rohdateien im DNG-Format gespeichert werden.
Bewegtbild nimmt die DJI Mavic 2 Pro maximal in 4K (3840×2160) bei 30 Bildern/Sekunde auf. Bei 2,7k sind bis zu 60fps möglich, bei Full HD maximal 120fps. Das 10-Bit Dlog-M Farbprofil bzw. 10-Bit HDR-Video sorgen auf Wunsch für eine höhere Detailtreue und mehr Flexibilität bei der Nachbearbeitung.

Genug der Zahlen, Zeit für Bilder. Zur groben Einordnung, die Bildqualität liegt etwa auf Höhe einer Kompaktkamera vom Schlage einer Sony RX 100 V und damit deutlich über einem Smartphone. Die Detailtreue ist je nach Lichtverhältnissen und ISO beeindruckend hoch, der Weißabgleich treffsicher und die Farbwiedergabe authentisch. Selbst bei offener Blende von 2.8 sind die Aufnahmen bis zum Rand scharf. Sofern es die Lichtsituation ermöglicht, sollte man etwas abblenden, um die Vignettierung zu verringern.

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360° Panoramas

Eher beiläufig habe ich ein weiteres tolles Feature entdeckt, das bei Luftbildern ausgezeichnet nur Geltung kommt: 360 Grad Aufnahmen! Dabei dreht sich die Drohne bzw. ihr Gimbal und setzt das Bild anschließend selbsttätig zusammen. Dies geschieht sehr akkurat und kann effektiv eingesetzt werden.

Weiteres

Leider verzichtet DJI bei der Mavic 2 Pro auf den Portrait-Mode, der Gimbal kann die Kamera nicht mehr um 90 Grad ins Hochformat drehen. Aufnahmen für die Instagram-Story müssen wohl oder übel aus querformatiger Footage geschnitten werden. Lediglich Topshots flach von oben herab können durch Drehen der Drohne bei voller Auflösung im Portraitformat realisiert werden. Ob das DJI’s Antwort auf das Vertical Video Syndrome ist?

 

DJI Mavic 2 Pro: Zwischenfazit

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Die Anschaffung einer Drohne ist aufwändiger und bedeutsamer als die einer normalen Kamera. Sie ermöglicht neue Perspektiven, bietet einen hohen Spaßfaktor, verlangt aber im Gegenzug mehr Verantwortung, Planung und die Beachtung gewisser Regeln. Trotzdem kann sie sich für viele lohnen.

Die DJI Mavic 2 Pro zeichnet sich durch ihre beeindruckende Bildqualität für eine Drohne dieser Größe aus. Aufnahmen sind bereits bei Offenblende scharf, Weißabgleich und Farbabbildung treffsicher. Im Tripod-Mode sind Belichtungszeiten von über einer Sekunde bei Windstille möglich. Sie ist einfach zu fliegen, liegt stabil in der Luft und bietet eine ordentliche Flugzeit von realistischen 28 bis 30 Minuten. Bis auf die Vignettierung bei Offenblende und den fehlenden Portrait-Mode habe ich nichts auszusetzen.

Vor dem Kauf sollte man sich jedoch mit den aktuellen Regulationen vertraut machen, ggf. wird ein Aufstieg nahe der Heimat durch Flugverbotszonen unmöglich. Innerhalb bebauter Gebiete ist dieser generell selten erlaubt.

 

Datenblatt: DJI Mavic 2 Pro

Sensor1" CMOS
Auflösung Foto5472×3648 Pixel (20 Megapixel)
Auflösung Videomax. 4K: 3840×2160 30 fps
Brennweite (35 mm äquiv.)  28 mm
BlendeF/2.8 - f/11
Abmessungen gefaltet   214 × 91 × 84 mm
Gewicht907 g
Max. Flugzeit31 Minuten
Max. Flugdistanz18 km
Max. Flughöhe6.000 m
Preis ab1.499 Euro


Günstigere Alternativen zur DJI Mavic 2 Pro

Nicht jeder möchte deutlich mehr als tausend Euro für eine Drohne ausgeben, es gibt genug günstigere und trotzdem gute Alternativen zur DJI Mavic 2 Pro. Da wäre zum Beispiel ihre Vorgängerin DJI Mavic Pro bzw. DJI Mavic Pro Platinum für 700-1000 Euro, die DJI Mavic Air für etwa 500 Euro. Wer noch etwas mehr sparen mag, wird vielleicht im DJI Refurbished Store fündig. Spaß und schöne Aufnahmen sind definitiv inklusive.

 

Wo darf ich fliegen?

Vor dem Aufstieg ist der Drohnenpilot dafür verantwortlich, sich über die Location zu informieren und ggf. Genehmigungen einzuholen. Unwissenheit schützt dabei weder vor Ärger noch vor Strafen. Einige Passanten, die einen unerlaubten Aufstieg vermuten, rufen die Ordnungsbehörden auf den Plan. Auch wenn kein Verbot besteht. Darzulegen, dass man mit dem Aufstieg gegen keine Verordnung verstößt, ist in jedem Fall hilfreich. Die meisten Zuschauer sind allerdings neugierig, aufgeschlossen und lediglich auf Smalltalk aus. Drohnen sind ein sensibles Thema, Medien stürzen sich geradezu reißerisch auf Vorfälle. 

Während gesunder Menschenverstand erkennen wird, dass über und in der Nähe von Wohngebieten, Privatgrundstücken, Industrieanlagen Naturschutzgebieten, Flughäfen, Heliports, Gefängnissen, Krankenhäusern und Regierungsgebäuden nicht geflogen werden darf, gibt es noch weitere Einschränkungen. Bundeswasserstraßen, Bahnstrecken oder Bundesfernstraßen dürfen in einem Radius von 100m nicht überflogen werden, dazu kommen spezifische Luftsperrgebiete oder NOTAMs (Notice to Airmen). 

Es kursieren zahlreiche Apps und Webseiten, die eine mehr oder weniger präzise Abfrage der Gebiete mit ihren Auflagen ermöglichen. Vorab: Rechtsverbindlich ist davon keine. 

Viele setzen auf die App der Deutschen Flugsicherung, kurz DFS. Diese ist übersichtlich, allerdings fehlen ihr Angaben zu Landschaftsschutzgebieten. Daher nutze ich Map2Fly über die iOS-App. Map2Fly zeigt die jeweiligen Landschaftsschutzgebiete an, sodass ich in der jeweiligen Verordnung nachlesen kann, ob die Nutzung von Drohnen (in älteren Verordnungen auch “Flugmodell” oder “Modellsport” genannt) erlaubt bzw. an Auflagen gebunden ist. 

Überblick über die Lufträume © Map2Fly/Flynex

Überblick über die Lufträume © Map2Fly/Flynex

In Berlin kann ohne zusätzliche Genehmigung generell maximal 30-50 Meter hoch geflogen werden. Dazu kommen Luftsperrgebiete um den Reichstag (ED-R 146 im Radius von 5,6km/3 nautischen Seemeilen) sowie den Forschungsreaktor in Berlin-Wannsee (ED-R 4, 3,7km/2 nautische Seemeilen) und die oben erwähnten Beschränkungen. Ein Aufstieg erfordert eine vorherige Genehmigung der Oberen Luft­fahrt­be­hör­de Berlin-Brandenburg. Luftaufnahmen vom Brandenburger Tor, der Goldelse oder dem Fernsehturm sind damit nicht ohne weiteres möglich. Das gleiche gilt für Top-Shots von U-Bahnen oder Straßen bzw. Gebäuden. 

Einige Hobbypiloten mögen diese Verbote und Gebote bewusst oder unbewusst “flexibel” auslegen, den potenziellen Ärger möchte ich mir allerdings ersparen. Die Strenge der Regularien wird darin begründet sein, dass in den letzten Jahren zahlreiche Verstöße und Unfälle registriert wurden. Ohne diese schwarzen Schafe wäre die öffentliche Akzeptanz gegenüber unbemannten Flugobjekten womöglich höher. 

 

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