#carporn: der Audi A7 Sportback

#carporn: der Audi A7 Sportback

Die neue Generation des Audi A7 Sportback tritt designtechnisch in große Fußstapfen. Meine anfängliche Enttäuschung wich vor einigen Wochen jedoch Begeisterung. Ich durfte den neuen Audi A7 Sportback fahren und ablichten. 

 
 

Der Audi A7 (bzw. A7 und RS7) gehörte seit seiner Vorstellung im Sommer 2010 zu meinen absoluten Favoriten des Modellprogramms der Ingolstädter. Das Facelift 2014 gab den nötigen Feinschliff, auch nach 3-4 Jahren sieht das viertürige Coupe ewig jung aus.

Meine Erwartungen an den Nachfolger waren dementsprechend hoch. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass Audi in Bezug auf das Design einen drauf setzen kann. Umso mehr enttäuschte mich das neue Modell auf den ersten Pressebildern. Das Heck wirkte nicht mehr so knackig, der Innenraum zerklüfteter. Die Türgriffe erinnerten mich an Volkswagen. Die Front gefiel mir hingegen sofort, obwohl sie austauschbarer wirkte. 

 
 

Date 1: "Doch ganz schick."

Der Audi A7 Sportback mit Serien-Exterieur.

Der Audi A7 Sportback mit Serien-Exterieur.

Zur Berlinale hatte ich meine erste nicht-virtuelle Begegnung mit dem neuen Audi A7 Sportback. Das Exterieur mit schwarzem Lack, Winterrädern, Serien-Exterieur (sprich, ohne S-Line Exterieurpaket) war stilsicher, aber weniger spektakulär. In Anbetracht der Tatsache, dass die Fahrzeuge zum chauffieren von Gästen zum roten Teppich dienten, absolut verständlich. 

Dafür beeindruckte mich die Lightshow der Matrix-LED-Scheinwerfer sowie der Rückleuchten schwer. Dazu später mehr. 

Der negative Beigeschmack verschwand. 

 

Date 2: "Was ein Brett"

Vor einigen Wochen stand die Markteinführung des neuen Audi A7 Sportback an. Für das Audi Zentrum Potsdam durfte ich ein Serienmodell ausführlich fotografisch und in Bewegtbildern festhalten. Einen ganz lieben Dank dafür. Beim Fotomodell handelt es sich um einen ebenfalls mythosschwarzen A7, allerdings mit S-Line Exterieur und größeren Winterrädern.

Dessen Ausstattung lässt sich getrost als voll bezeichnen, sogar Seltenheiten wie der Nachtsichtassistent, das große B&O Soundsystem und Soft-Close-Türen sind dabei. Genau das richtige für ein Spielkind wie ich. Allein wegen der ganzen technischen Neuerungen freute ich mich enorm auf das Wochenende. Als ich das Fahrzeug dann dann erstmalig in echt sah, waren meine Zweifel am Design endgültig Vergangenheit. Was ein Brett!

Der Blick? Selbstbewusst und ernst, aber nicht böse. 

Der Blick? Selbstbewusst und ernst, aber nicht böse. 

Der Audi A7 der ersten Generation wirkte beeindruckend breit, flach, satt. Trotz nahezu identischer Maße setzt das neue Modell noch einen drauf. Die Linienführung ist kräftiger, geradliniger. Dieser gewisse Minimalismus lässt das Design plastischer wirken, vorallem aber skulpturaler. Um es zu verstehen, muss man es aus deutlich mehr Perspektiven betrachten, als es beim Vorgänger der Fall war. 

Schokoladenseite?

Eine weitere Phase der fortschreitenden Akzeptanz ist Gewöhnung. Die Heckleuchten sind nun schmaler, geschwungen und durchgehend. Ich bin immer noch nicht ganz warm mit ihnen, zumindest bei Tageslicht. Die Gestaltung der LEDs hingegen schon. Gerade bei Nacht hat der Audi A7 etwas von einem Raumschiff. Und das finde ich persönlich super cool. 

Eine fließende Dachlinie, breite Schultern und durchgehende Rückleuchten machen die neue Generation des Audi A7 aus. 

Eine fließende Dachlinie, breite Schultern und durchgehende Rückleuchten machen die neue Generation des Audi A7 aus. 

Raumschiff made in Ingolstadt 

Nicht jeder ist Autoenthusiast, allerdings war bisher jeder von der dynamischen Lichtinszenierung beeindruckt. Sie erinnert an K.I.T.T und ist absolut videogen. Die Köpfe hinter diesem Feature hatten sicher einen Heidenspaß bei dessen Konzeption und Realisierung. Ich frage mich, wieso ein Schauspiel dieser Größenordnung erst jetzt auf den Markt kommt. 

Schaut es euch einfach an:

 

Fahren oder Fliegen?

Vorab: er kann beides. Beziehungsweise, der Fahrer oder Pilot. Während der Vorgänger für ein Auto seiner Größe entsprechend satt auf der Straße lag und ab dem 3.0 TDI mit 272PS dementsprechend vehement nach vorn ging, konnte er Größe und Gewicht in Kurven nicht verheimlichen.

Wundermittel Allradlenkung

Der neue ist sportlicher und kaschiert seine Pfunde und die Länge von 4.97 Metern effektiver. Dafür zeichnet sich die Allradlenkung verantwortlich, die den Aufbau in schnellen Kurven stabilisiert, das Fahrzeug quasi in die Kurve eindreht. Ein tolles Feature, das mich bereits beim Audi Q7 schwer beeindruckt hat und surreal wirkt. Beim Rangieren sorgt die Allradlenkung übrigens für einen kleineren Wendekreis

Zum Supersportwagen wird der Audi A7 Sportback dadurch zwar nicht, aber er ist angenehm handlich und spaßig zu fahren, dabei aber niemals hart. Für meinen Geschmack die richtige Auslegung zwischen Sport und Komfort. Über Audi Drive Select kann diese noch mehr in Richtung Langstreckengleiter ausgelegt werden. In "Comfort" kommt der Audi A7 Sportback damit nah an den neuen A8 mit seinem schwebenden Fahreindruck heran. Ich hätte so einen Fortschritt in punkto Fahrverhalten nicht erwartet, umso angenehmer fällt er damit für mich aus. 

Das Fotomodell wurde vom bekannten 3.0 TDI in seiner neuesten Evolutionsstufe mit nunmehr 286PS angetrieben, den ich bereits im A4, A5, A6 und Q7 fahren durfte. Das Triebwerk ist kräftig, klingt angenehm zurückhaltend und hatte bei mir einen Durchschnittsverbrauch von 8-8,5 Litern. Bei einer Mischung aus Stadtverkehr und Autobahn. Leider braucht der Motor eine Gedenksekunde, bis er den Druck aufs Gaspedal in Vortrieb umsetzt. Wenn der Turbolader erweckt ist, geht er dafür vehement nach vorn. 

Sieht gut aus, lässt gut sehen. 

Sieht gut aus, lässt gut sehen. 

HD Matrix-LED-Scheinwerfer mit Audi Laserlicht

Neben der dynamischen Lichtinszenierung bieten die LED-Scheinwerfer in ihrer höchsten Ausbaustufe auch praktische Vorteile. Die Maskierung des Fernlichts geschieht gefühlt subtiler, da feiner. Man bemerkt nicht mehr, dass die Technik am Werk ist, sondern sieht einfach gut. 

Das scheinen andere Verkehrsteilnehmer genauso zu sehen. Ich bekam keine Lichthupe von jemandem, der sich geblendet fühlte.

 

Innere Werte?

Das Interieur des Audi A7 Sportback der ersten Generation gehörte für mich über seine gesamte Bauzeit zu den schönsten auf dem Markt. Die Mischung aus analogen Anzeigen und subtil untergebrachten Displays wirkte auch 2017 nicht angegraut. Ich konnte mir schwer vorstellen, wie es großartig verbessert werden konnte.

Mit der aktuellen Generation wurde es grundlegend verändert, digitalisiert und auf den aktuellsten Stand der Zeit gebracht. Wie eingangs erwähnt, sagte es mir auf den ersten Pressebildern nicht zu. Als ich das erste Mal hinter dem Volant Platz nahm, verstand ich den radikalen Schritt jedoch. Die Displays sind nun endlich scharf und knackig, der typische Audi-Duft wirkt vertraut. 

Willkommen im digitalen Zeitalter.

Willkommen im digitalen Zeitalter.

Bis auf den Lautstärkeregler und das Multifunktionslenkrad gibt es kaum noch echte Knöpfe. Der MMI-Bildschirm ist nach unten gewandert, für den Fahrer relevante Informationen finden sich im Virtual Cockpit der zweiten Generation sowie dem Head-Up-Display. Mit etwas Eingewöhnung trifft man die wichtigsten Schaltflächen auf den Touchscreens blind, was bei der Klimabedienung und der Sitzheizung von Vorteil ist. Eingaben werden erst registriert, wenn man das Display fest drückt. Dazu gibt es haptisches Feedback, in seiner Funktionsweise mit dem Touchpad neuer MacBooks bzw. 3D Touch beim iPhone zu vergleichen. 

 
Leder, Aluminium, Kontrastnähte. 

Leder, Aluminium, Kontrastnähte. 

Design und Haptik

Für mich zeichnet sich ein Audi auch durch den Look and Feel seines Interieurs aus. Oberflächen, Knöpfe und Spaltmaße sind stets penibler und geschmackvoller als bei Mitbewerbern gestaltet, auch in seiner neuesten Generation. Im Falle des Fotofahrzeuges bedeutet das viel schwarzes Leder, kühles Aluminium, und der typische Audi-Duft. Eigentlich mag ich keine schwarzen Innenräume mit Dekoreinlagen aus Aluminium, im neuen A7 wirkt die Kombination aber harmonisch und fügt sich in den futuristischen Stil ein. Das mag auch am weichen Leder liegen, das sich im Vergleich zur ersten Generation feiner anfühlt. Übrigens lassen sich die Oberseite vom Armaturenbrett sowie die Bordkanten der Türflächen ebenfalls in Leder bestellen. Das gab es bisher nur bei Q7, A8 und R8. 

Bei abschließender Betrachtung wirkt das Armaturenbrett wie eine moderne Skulptur, voller ihre Raffinessen und Feinheiten. 

Der Trend zum schwarzen Hochglanzfinish zeichnet sich jedoch ab. Das bedeutet Fingerabdrücke und Kratzer sowie Staub, die sich bei Sonnenlicht zeigen. Allerdings sind die Displays durch dessen Verwendung optisch nahtlos in das Armaturenbrett integriert, was mich versöhnlich stimmt. Die Lenkradtasten haben mir bei der ersten Generation haptisch besser gefallen. Sie klicken nun laut, was man durchaus als störend empfinden kann. Möglicherweise bessert sich das mit der Zeit. 

Dafür besitzt der neue Audi A7 eine beeindruckende Ambientebeleuchtung. Diese lässt sich nicht nur in ihrer Helligkeit anpassen, sondern auch farblich. Konturen und Flächen können dabei getrennt voneinander reguliert werden. Eines der vielen Features, das nicht sehr nützlich, dafür aber schön anzusehen ist. Für mich wäre es definitiv ein Must-have.

 

Infotainment

Neben dem komplett neuen Bedienkonzept bzw. dem Verzicht auf den MMI-Drehdrücksteller wurden auch die Konnektivitätsfeatures auf den neuesten Stand gebracht. Carplay, Android Auto, Wireless Charging und eine schnelle Datenverbindung bot bereits der Vorgänger in seinen letzten Modelljahren.

Jetzt gibt es moderne Kartengrafiken, eine deutlich schnellere und intuitivere Benutzeroberfläche dazu. Sämtliche Features wurden optimiert und mit neuen Feinheiten versehen. Wie auch die Umgebungskameras. Inzwischen erzeugen sie ein Rundumbild, in das die Karosserie detailgetreu gerendert wird. Der Benutzer kann beliebig die Perspektive wechseln. Sogar an die dynamischen Blinker wurde gedacht. Wer das als Spielerei abtut, wird erstaunt sein, wie nütztlich das Feature beim Parken an hohen Bordsteinen ist. 

Bang & Olufsen Advanced Sound System

Mein Fotomodel war mit dem Bang & Olufsen Advanced Sound System mit 3D-Klang gesegnet, das für schlappe 6.450,00 in der Aufpreisliste steht. Wie bereits beim Vorgänger klingt es beeindruckend, der dreidimensionale Klang erzeugt eine Luftigkeit ohnegleichen. Das Fahrzeug wirkt dadurch wie ein großes Kaminzimmer. Der Bass ist kraftvoll, und fein definiert. Das warme, behagliche Klangbild erinnert mich an den Signature Sound meiner Beoplay H8

Ob die mehr als 5.000 Euro Aufpreis zum kleinen Bang & Olufsen Premium Sound System wert sind, kann ich mangels Vergleich nicht beurteilen. Die ausfahrenden Hochtöner und wunderschönen Lautsprechergitter aus Aluminium unterscheiden es jedenfalls optisch.

 

Fazit

Während ich anfangs nicht wusste, was ich von den optischen Neuerungen am Exterieur sowie Interieur halten soll, hat mich der technische Fortschritt beeindruckt. Nach näherer Begutachtung über einige Tage gefällt mir der neue Audi A7 Sportback auch äußerlich. Aus dem schönen Gleiter ist nun ein futuristisches (T)Raumschiff geworden. 

Maximilian_Otto_Automotive_A7_Sportback_2018_04.jpg
Der A7 ist wieder mein Favorit der Audi-Modellpalette. 
 

Detailverliebter Nerd mit Faible für Fotografie, Technik und Autos.